Der Stalinismus war nicht das Ergebnis der Oktoberrevolution, sondern der einsetzenden Gegenrevolution. Für Lenin und Trotzki war die russische Revolution der Auftakt zur sozialistischen Weltrevolution. Doch die Revolution in Deutschland und anderen Ländern scheiterte aufgrund der Unerfahrenheit ihrer Führer. Die Sowjetunion blieb isoliert. Isolation und wirtschaftliche Rückständigkeit förderten die Herausbildung einer Bürokratie in Staat und Partei, die ihre eigenen Interessen vertrat und in Stalin ihren Führer fand.
Die stalinistische Bürokratie ersetzte das Programm der sozialistischen Weltrevolution durch die Theorie vom "Sozialismus in einem Land". Sie verfolgte die revolutionären Marxisten und ließ sie schließlich im "Großen Terror" von 1937 zu Hunderttausenden erschießen. Sie bemächtigte sich der Kommunistischen Internationale und verursachte mit ihrer falschen Politik fatale Niederlagen, die die Sowjetunion weiter isolierten. 1991 zerstörten Stalins Erben die Sowjetunion.
Aber es gab eine Alternative. Die 1923 von Leo Trotzki gegründete Linke Opposition zeigte sie Schritt für Schritt auf. Schließlich siegten nicht die besseren Argumente, sondern "das bleierne Hinterteil der Bürokratie".
Im Oktober 1917 ergriffen die Arbeiter in Russland unter marxistischer Führung die Macht und behaupteten sie. Ungeachtet ihrer späteren Degeneration bewies die Oktoberrevolution, dass die Arbeiterklasse in der Lage ist, die kapitalistische Ordnung zu stürzen und das Fundament für eine höhere, fortschrittlichere Gesellschaft zu legen.
Die Oktoberrevolution wurde zum Ansporn für revolutionäre Erhebungen auf der ganzen Welt. Der barbarische Charakter des Ersten Weltkriegs, die Empörung über den Verrat der Sozialdemokratie und die Folgen des wirtschaftlichen Niedergangs radikalisierten breite Schichten von Arbeitern. Sie orientierten sich an den revolutionären Marxisten, die sich von Anfang an gegen den Krieg gestellt hatten.
Im März 1919 fand in Moskau der Gründungskongress der Kommunistischen Internationale statt, die das Programm, die Strategie und die Taktik der sozialistischen Weltrevolution als praktische Aufgabe der internationalen Arbeiterbewegung entwickelte.
Wirtschaftskrisen, internationale Spannungen, Militarismus, Erosion der Demokratie, Sozialabbau und Arbeitslosigkeit sind untrügliche Anzeichen einer herannahenden revolutionären Krise. Derzeit hat die Arbeiterklasse keine eigene politische Stimme. Ihre alten politischen Parteien haben sie im Stich gelassen. Doch unter der Oberfläche wächst der Unmut breiter Schichten, die nach einem Ausweg suchen. Sie werden aus dem bestehenden Rahmen der offiziellen Politik ausbrechen und dabei in offenen Konflikt mit der SPD, der Linkspartei und den Gewerkschaften geraten.
Den Anforderungen der kommenden revolutionären Epoche kann nur die Vierte Internationale gerecht werden. Sie lässt sich von den höchst entwickelten politischen Theorien leiten und stützt ihr Programm auf ein wissenschaftliches Verständnis der objektiven Tendenzen der gesellschaftlichen Entwicklung. Sie setzt sich energisch für die Herausbildung neuer, unabhängiger Organisationen ein, baut eine internationale sozialistische Partei auf und vermittelt einer neuen Generation von Arbeitern und Jugendlichen die Perspektive und Geschichte des Marxismus.